22. April 2010

Kampf der Atzinnen in den Telephone-Charts. Lady Gaga und Beyonce treffen auf Rihanna, obwohl sie gar nicht selbst singt in dieser Woche. Berliner Fußballfans machen ihren Verein arm und einen Frauenarzt reich. Belgien und Norwegen planen einen raffinierten Angriffsplan auf Mitteleuropa. Ein Angel of Berlin und Blümchen hecken teuflische Pläne aus. Dieter Bohlen hört zuviel Radio. Und wer zum Teufel ist Pischti Hufnagel ?! Das und mehr in den Neueinsteigern der Woche vom 19.04.2010

# 3  Lady Gaga feat. Beyonce – Telephone

 

 

 

Nunja, wenn 2 Superstars sich zusammenschmeissen, kann man im Normalfall die Top 10 gar nicht verpassen. Und da Lady Gaga alleine ja nichts Brauchbares mehr zusammengebastelt kriegt, hat sie Beyonce solange vollgequatscht, bis sie sich draufeingelassen hat, in einem völlig bekloppten Video mitzuspielen. Bei Youtube ist das offizielle Video anscheinend noch nicht vertreten, aber im TV läuft es schon. In völlig behämmerten Möchtegerncomicoutfits springen die 2 Weibsen da rum, und ein Mal mehr zeigt uns Lady Gaga, die eigentlich Stefani Joanne Angelina Germanotta heißt, ihre sensationslüsternen Mordfantasien. Langsam langweilt dieses Effektgehasche. Dazu springt Lady Gaga ( ohne anspruchsvolle Konkurrenz von Beyonce im Nacken ) halbnackt im Knastflur rum, um die obligatorische Tanzszene ins Video einzubinden. Liebe Frauen ! Wie ihr hier seht, kann man ein vermeintlicher Superstar werden, ohne eine schmale Taille zu haben. Blasser Leichentaint und die Figur eines Boxsacks genügen völlig. Der Mobilfunkanbieter vodafone schiebt, Gott allein weiß warum, den Song auch nochmal an. Vermutlich, weil das super duper gut passende Codewort „Telephone“ im Song vorkommt. Jeder vodafone-Kunde kann diesen Song ( jeder andre kostet 1,99 Euro )  kostenlos als Freizeichenton fürs Handy haben. Wo ist nur das alte gute peeep peeep geblieben, wenn man drauf gewartet hat, daß der andre den Hörer abnimmt. Stattdessen kriegt man unaufgefordert seit dieser Woche millionenfach den Telephone-Song um die Ohren gehauen, sobald man einen vodafone-Kunden anruft. Zum Song selbst gibt’s wenig zu sagen. Beyonce kann singen, Lady Gaga nicht. Das fällt in dem perfekt durchgestylten Discopopgematsche aber nicht weiter auf. Der Song ist extrem laut und dröhnend abgemischt. Im Refrain helfen kräftige Backgroundstimmen mit, sich gegen die Sägezahnsynthesizer durchzusetzen. Der Erfolg von Lady Gaga ist mir weiterhin komplett unerklärlich. Sie ist der Dieter Bohlen von Amerika.

 

 

 

# 18  Frauenarzt und Manny Marc – Atzin

Ich hatte ja etwas Angst, dass der Song es in die Charts schafft. Denn dann muss ich ihn kommentieren, wie jeden andren Song auch. Die Fans von Hertha BSC Berlin haben dafür gesorgt, dass die Atzen mittlerweile deutschlandweit die Partyband Nummer 1 sind. Zumindestens bei allen Abschlussfeiern von Baum- und Sonderschulen. Unerbittlich quäken aus jedem Golf3 und in jeder Dorfdisko die Refrainzeilen „ Hey, das geht ab, wir feiern die ganze Nacht“. Die Zeile an sich reimt sich ja schon mal etwas holprig. Berliner Fußballfans nahmen sich dem bemitleidenswerten Song an, und dichteten ihn im Siegesrausch der Vorjahressaison um in „Hey, was geht ab, wir holen die Meisterschaft“. Das hörte sich dann erstmal unspektakulär so an :

 

Schon wenige Wochen später kam die Lawine ins Rollen. Die Atzen wurden genötigt, ins Berliner Stadion zu gehen, um dort den Song zu singen. Man hört aber deutlich, wie die Fans ihren eigenen Refrain singen, während sich die Atzen mühen, den Standarttext ohne Meisterschaft zu singen. Im Gegenzug konnte man die Fans immerhin überzeugen, wieder „DAS geht ab“ anstatt „WAS geht ab“ zu singen. 70.000 emotionalisierte Berliner Fussballfans haben leider eine unaufhaltsame Lawine losgetreten :

 

Das Ende vom Lied ist bekannt. Die Atzen sind monatelang in den Charts mit dem Song, und verkaufen seitdem Tonträger wie doof. Es ist völlig gleichgültig, was für Geräusche drauf sind. Der Stempel Atzenmusik genügt dem Partyvolk, um es zu kaufen. Hertha BSC im Gegensatz dazu hat die Meisterschaft nicht gewonnen, rutschte am Ende auf Platz 4 ab, und siecht seit über 9 Monaten nonstop auf dem letzten Platz der ersten Bundesliga rum. Der Verein mußte hohe Strafen zahlen wegen ausflippenden Fans, die aufs Spielfeld liefen. In 3 Wochen wird Hertha wohl absteigen, während die Atzen weitersingen dürfen, die Welt ist ungerecht.

Nachdem die 2. Single „Disco Pogo“ schon stark an Qualität abnahm, und eigentlich nur ein hastig zusammenschnipseltes Werk aus dem Onlinefundus des Magix Music Maker Electrodisco war, bei man sich zudem noch ungeniert im Refrain bediente bei Lily Allens „Not Fair“, ist die 3. Auskopplung ein einziger Graus. 80er-Jahre-Beats bilden die Grundlage, drübergepackt werden viel zu laute quitschende Synthisounds, die von einem schlechten Sequenzer notdürftig zusammengehalten werden. Oberstes Gebot bei der Produktion war es, die Sounds dürfen keinesfalls aufeinander abgestimmt und harmonisch abgemischt werden. Das Klangchaos muss regieren! Und es muss zwingend alles an Effekten eingesetzt werden, was man in 3 Minuten mit Gewalt einbauen kann. Vocoder, vorbeifahrende Straßenbahn, ein Rülpser der Putzfrau, alles. Leider zeigt der Song sehr deutlich, dass Rapper eben nicht singen können. Der Refrain ist grauenhaft unmelodisch und dazu noch schief und krumm gesungen. Ein Stilmittel, dass die Atzen immerhin noch exclusiv haben, seitdem Daniel Küblböck die Chartsszene verlassen hat. Der Song bietet engagierten DJs und Produzenten allerdings jede Menge Remixpotenzial. Wenn man die Stimmen weglässt, die Beats ändert und die Synthisounds umoperiert, lässt sich aus dem Song noch was machen. Für alle Nichtberliner sei noch erwähnt, „Atze“ bedeutet umgangssprachlich „Bruder“. Mit viel Fantasie kenne ich ja noch, dass man seine Schwester auch “Atze“ nennt, aber „Atzin“ war selbst mir neu. Kannte meene Atze ooch nich, wa.

 

# 19 Milow & Marit Larsen – Out Of My Hands

 

Hm, ich finde wenig Angriffsfläche bei dem Song. Der Belgier zupft halt an der Gitarre rum. Und das stellt er so raffiniert an, dass ihm die Frauen reihenweise zu Füßen liegen, selbst wenn er eigentlich einen versauten Tabledance-Song eines US-Rappers nachträllert. Marit stammt aus Norwegen, und hat dort schon erste Erfolge eingeheimst. Zusammen versuchen diese zwei Zwergenländer nun, die große weite Popwelt anzugreifen. Im Zweifel schafft man es immer wieder mit herzzerreißenden melancholischen Balladen, bei denen man darüber sinniert, ob es wohl besser gewesen wäre, wenn man doch lieber Pischti Hufnagel (http://www.zeichentrickserien.de/jenseits.htm ) geheiratet hätte. Die Frauen kaufen den Song wegen der Glatze von Milow, und die Männer sind angetan von der unschuldigen Lolitastimme von Marit. Basic Instinct lebt.

 

# 65 Jamie Cullum – Dont Stop The Music

 

Gott, ist das schlecht ! Eine Weltidee, eine reine Weltidee, mein Ingomann! Da ist ja noch nie einer draufgekommen. Wäre es nicht lustig, wenn jemand sich mit einer Wandergitarre bewaffnet, und die perversen Abspritzgelüste von Rapper 50Cents „Ayo Technology“ neu vertont im Balladenstil ? Ich meine, hey, wer kein englisch kann, wird den Text ja nie verstehen und andächtig mitsummen. Ohne zu verstehen, worum es bei dem Song eigentlich geht. DAS wäre mal eine ganz tolle neue Idee ! Vielleicht könnte jemand aus Belgien das mal machen ! Oder jemand könnte den Tanzhammer „Dont Stop The Music“ von Rihanna covern. Das wäre VOR Milow sicherlich amüsant gewesen. DANACH jedoch ist es ein widerlich billiges imitiertes Kunstemitat. Rihanna meets Big Band Jazz. Braucht kein Mensch. Und wenn doch, soll es Rihanna unplugged live selbst singen. Oder Milow.

 

So, ich schone meine Nerven, und erwarte andächtig die nächsten Wochen. Welche Facebook-Community wird es schaffen, DSDS-Mehrzad den Sprung direkt auf die Nummer 1 der Charts zu vermasseln ? Wird es die Gruppe um den selbst gescheiterten Castingkandidaten Martin Kesici ( „ Angel of Berlin“ ), der für den Kauf von Led Zeppelins „Stairway To Heaven“ plädiert, oder wird es die PR-Beratertruppe aus Hannover, die Blümchens „Boomerang“ auf Platz 1 sehen will ? Und welchen Unsinn heckt die Privatarmee von DSDS-Loser Menowin Fröhlich aus, um das neuerliche Plagiatswerk von Dieter Bohlen abzuschießen ? Ich sag mal so, man kann sich ja schon mal völlig wertfrei „Keep Bleeding“ von Leona Lewis anhören in den nächsten Tagen. Einfach mal so…

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