18. März 2010

Warum ein Revolverheld zu Pitbull Spinner sagt, und warum der mit Fuck You antwortet. Was 3 Killerpilze mit einem Kontrabass zu tun haben, und warum tiermedizinische Fachangestellte bessere Kandidaten wären für „Wer wird Millionär“ als die Ärzte. Was ein pfälzischer Schiedsrichter mit der Frau eines englischen Nationalspielers gemeinsam hat. Und warum Amy Macdonalds weder von Apple noch ein Cheeseburger ist. Das und viel mehr gibt’s in den Neueinsteigern der deutschen Singlecharts.

# 5 Cheryl Cole – Fight For This Love

 

Grübel, warum schlägt der Song auf Anhieb in die Top 5 der deutschen Charts ein ? Der Song klingt sicherlich recht chartkompatibel, ist schön radiotauglich weichgespült mit angenehmer Frauenstimme und ohne nervige Randgeräusche. Aber echte Megahit-Qualitäten hat er eigentlich nicht, oder ? Die Auflösung liegt wieder mal bei den bösen bösen Medien. Interessant, daß Cheryl mit dem englischen Fußballnationalspieler Ashley Cole ( wie will man das anders übersetzen als mit : Arschloch mit Kohle ) verheiratet ist, was spätestens seit der Ehe von David Beckham und Victoria „Posh Spice“ bekanntermaßen recht förderlich für ihre Musikkarriere war. Zudem ist der Song, zurück zu den Medien, der Titelsong der neuesten Fleischbeschaustaffel von Germanys No Tittis Model, moderiert von Puffmutter Heidi Klum. Heutige Tagesaufgabe: Zähl, wie oft das Wort „fight“ im Song vorkommt, sonst habe ich kein Foto für dich heute. ( Es sind über 70 Mal )

 

# 6 Amy Macdonald – Dont Tell Me That Its Over

 

Tja, bei diesem Song gibts eigentlich nicht viel zu meckern. Ein sehr dynamisches druckvolles Stück mit einer unverwechselbaren Stimme einer dazu noch durchaus eigenwillig hübschen Frau. Popmusik trifft auf klassischen Langweilerfolk, aber es funktioniert. Irgendwie. Überteuerte Flachbettklapprechner ohne USB-Anschlüsse verkaufen sich ja auch, solange nur ein angenagter Apfel-Aufkleber draufgepappt wird. Und ein Stück Gammelfleisch zwischen 2 halbgaren Brötchenhälften verkauft sich ja auch wie, äh, „geschnitten Brot“.

 

# 9 Timbaland feat. Katy Perry – If We Ever Meet Again

Es wird Zeit, sich ehrfurchtsvoll vor dem Produzentengott Timbaland zu verneigen. Jede seiner 2009er Produktionen aus dem Album „Shock Value 2“  hat es europaweit in die Charts geschafft. Es zahlte sich für ihn aus, für seine Produktionen die besten Stimmen und angesagtesten Gesichter der weltweiten Musikszene ins Boot zu holen. Wenn man nur verrückt genug ist, seine wirren Schlagzeugsamples unter Lahmarsch-Pop zu mixen, kann man trotzdem dicker sein als der Tanzbär D! ( Detlef Soost )  ausm Osten, die Weiber kommen alle angerannt. Sogar das Video ist zu ertragen. Wo sonst bekommt man im Free-TV sooo einen roten Kirschmund zu sehen, der immerzu singt, dass er die ganze Nacht geküsst werden will. Wenn man denn unbedingt etwas kritisieren will, ist es Timablands ewiges Mitgesinge. Sein stetiges „Yes“, „What“ und sonstige Atemgeräusche nerven auf Dauer. Ich bin sehr gespannt, wie die Top 10 der nächsten Woche aussehen, der Dreikampf Cole-Macdonald-Timbaland ist unvorhersehbar eng. Wenn ich tippen müßte : die dicksten Brüste gewinnen, also Timbaland.

 

# 13 Revolverheld – Spinner

Huch, ein Song über Dieter Bohlen ? Da kann ich ja die Gelegenheit nutzen, und nochmal darauf verweisen, dass alle Blog-Beiträge von mir persönlich geschrieben wurden. Auch der über Dieter Klaufuchs. Ich kann mir schlicht und ergreifend keine Ghostwriter leisten. Im Prinzip thematisiert der Song das gleiche Dilemma wie Amy Macdonald. Man muss kämpfen, dann kann man alles erreichen. Ob es nun die Liebe des Lebens, der erste Plattenvertrag, das eigene Eiscafe  oder der allzu verständliche Wunsch eines kleinen Bettnässers , er möchte mal „Dichter“ werden, ist. Revolverheld schwingt sich auf, eine etablierte Chartsband zu werden, und die Hamburger Hinterhöfe endgültig zu verlassen. Die Texte haben durchaus Format. Meinen Segen haben diese Spinner.

 

# 17  Muse – Undisclosed Desires

Lange hab ich überlegt, an wen mich diese Falsettstimme erinnert. Erst dachte ich, es wäre der Zahnarzt Merk aus Kaiserslautern ( ehemaliger Bundesligaschiedsrichter ) , aber dann schwenkte ich um auf a-ha. Die etwas chaotische Soundmischung aus HIM und a-ha stammt aus England, wo Muse seit locker 15 Jahren versuchen, was brauchbares zusammenzubasteln. Mit diesem Song ist durchaus ein Erfolg gelungen, auch das Album sprang bis auf Platz 4. Küssen lassen würde ich mich von dieser Muse aber nicht.

 

# 30 Pitbull feat. Akon – Shut It Down

Über 10 Platten hats gedauert, bis die Welt ernsthaft Notiz nahm von Pitbull. Dies hier ist die 3. Auskopplung aus dem aktuellen Erfolgsalbum. Der „Rapper“ zeigt sich doch sehr geläutert und wurde massenkompatibel zusammengestaucht. Wenn Kelly Rowland mal nicht kann, singt Akon mal eben für David Guetta oder für Pitbull den Refrain. Künstlerische Highlights der Danceproduktion sind die letzten 2 Worte der Single, die da lauten : Fuck You. Im Verbund mit Revolverhelds „Spinner“ ergibt sich eine gewisse aggressive Grundstimmung im Frühling 2010. Westerwelle, übernehmen Sie !

 

# 52 – Yvonne Catterfeld – Blau im Blau

Nanu, die Frau kenne ich doch ? Wirbt sie nicht für eine Pickelcreme die ganze Nacht nonstop auf Eurosport ? Seitdem sie sich die blonden Haare dunkel gefärbt hat, hält sie sich für eine ernstzunehmende Künstlerin, was ihr sogar einen Platz in der Jury von Raabs Kuschelzirkus „Unser Star für Oslo“ einbrachte. Nachdem ihr Schauspiel-Engagement als neue Romy Schneider geplatzt ist, probiert sie sich nun im Singen von stark chansonslastigen Nummern. Die zuckersüßen Zeiten sind vorbei, und immerhin ist sie nicht in die Technopopabteilung von Blümchen abgerutscht. Der Feuilleton liebt sie sicher. Nicht so doll, wie er Sandy Meyer-Wö, äh Lena Meyer-Landrut liebt, aber immerhin.

 

# 62 Placebo – Bright Lights

Eigentlich wird ein Pleonasmus besungen : Helles Licht. Da freu ich mich auf die Folgesingles „tote Leiche“ und „weißer Schimmel“. Bei letzterem werden sich dann alle tiermedizinischen Fachangestellten auf der Trage umdrehen und laut aufschreien, und die 1Million-Euro-Frage bei Günther Jauch abräumen. Denn sie wissen, dass nicht alle Schimmel bei der Geburt weiß sind. Mist, die Recherche, ob man Günther mit H schreibt ( ja ) , hat soviel Zeit gekostet, dass ich den halben Song beim Durchhören verpasst hab. Hach naja, der Song hat ausreichend Potenzial, um im Sommer bei einigen Festivals nicht alle Hörer zum Bierwagen zu verjagen. Immerhin ein Licht am Ende des Tunnels.

 

# 72 Killerpilze – Drei

Gott, wie schrecklich. Ein hach-so-pfiffiger Geniestreich, aus der Melodie „ 3 Chinesen mit dem Kontrabass“ und geklautem Material aus dem Textideebuch der Bandvorbilder „Die Ärzte“ einen Song zu machen, fruchtet bei den weiblichen Realschülern als pozenzielle Kundschaft tatsächlich. Sie erhalten mit dem Ausgeben ihres Taschengeldes für diese Single die Killerpilze am Leben. Warum ?! In 3 Minuten kann man prima alle Phrasen dreschen, die mit dem symbolischen Begriff der Zahl 3 spielen : Wieviele L sind in Killerpilze, 3 Musketiere, Dreifaltigkeit, 1Arsch plus 2 Ohren, Dreilochstute…

 

# 81 Rockstroh – Tanzen

Der Name ist irreführend. In den Charts hält sich immer noch der Vorgänger „Licht“, der gerüchteweise auch im Nightmix-14 vom Sound of Batown enthalten sein soll. Zum Glück heißt der Nachfolger nun nicht „Schatten“, sondern „Tanzen“. Der Bandname stammt vom Macher im Hintergrund Ronny Rockstroh. Man bekommt sehr tanzfreudige Housebeats in angenehmem Tempo mit ungewöhnlich mutigen deutschen Vocals dazu. Der Song bietet dank der angedeuteten Chorusphrasen viel Potenzial für Remixe, diese werden dann sicher jeden Club bereichern. In den DJ- und Dance-Charts wird der Song auf jeden Fall noch höher klettern. Es besteht leichte Verwechslungsgefahr mit einem Track von House Rockerz feat. Unter Druck „ Ich will tanzen“, der ebenfalls momentan durch die Clubs geistert.

 

# 100 Chris Campell – Tonight

Das Plagiat der Woche schafft es mit letzter Kraft noch auf Platz 100. Wir hören eine astreine Danceversion des HIM-Songs „Join me“. Verschiedene DJs und Computerfreaks haben sich dem erbärmlichen Remix angenommen, und ihrerseits eine jeweils eigene Abmischung beigesteuert. Der Pulsedriver-Remix ist dabei wohl noch der tauglichste. Der ideenlose Originalmix überlebt nur durch das ständige Warten auf die eingängige Klaviermelodie. Jeder 16jährige Hobbyproduzent mit einem Quadcore fummelt in einer Nacht eine bessere Version zusammen.

 

Eigentlich können wir uns die nächsten Wochen sparen. So sicher wie das Amen in der Kirche werden die Erstlingswerke der Gewinner von „Unser Star für Oslo“ und „Deutschland sucht den Superstar“ direkt auf Platz 1 der Charts springen. Nicht, weil wirklich so viele Deutsche die CDs gekauft haben. Sondern, weil große Elektronikmärkte wie Saturn oder Mediamarkt auf Verdacht schon mal 500.000 Exemplare vorbestellen.

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